Die Katze wäscht den Omnibus und die FAZ seift ein.

13.6.2016. – In der FAZ beschreibt Volker Weidermann, was er von dem Kindergedicht „Die Katze wäscht den Omnibus“ des Dichters Peter Hacks verstanden hat.
„Wer hat den guten Wind verdreckt“, fragt der Literatursachverständige der FAZ und zeigt mit dem Stinkefinger auf den Dichter. Er wundert sich: „Die Mutter wäscht den Wind – wie soll das gehen? Und wer hat den Wind schmutzig gemacht? Hat das schon mal jemand gesehen – schmutzigen Wind?“

DIE KATZE WÄSCHT DEN OMNIBUS

Die Katze wäscht den Omnibus.
Die Mutter wäscht den Wind.
Der Fahrer wäscht das Kätzchen.
Der Regen wäscht das Kind.
Nanu, nanu,
Wie geht das zu?
Wahrhaftig, nein,
Das kann nicht sein.
Da glaubt im Leben
Keiner dran.
Ich fang noch mal
Von vorne an:

Einem Rezensenten der FAZ kann man nichts vormachen, er begreift das Gedicht sofort und analysiert: „Mit Quatsch fängt es an, mit Quatsch geht es weiter und am Ende steht – ein großer Quatsch.“

Der Regen wäscht das Kätzchen
Der Fahrer wäscht den Wind.
Die Mutter wäscht den Omnibus.
Die Katze wäscht das Kind.
Ach was, ach was,
Wie stimmt denn das?
Es ist zu dumm:
Verkehrt herum.
Das ist der reine
Unsinn, Mann.
Ich fang noch mal
Von vorne an.

Nur einmal, man würde es kaum bemerken (und es sei auch bedauerlich und natürlich fehlerhaft), werde die Welt beschrieben, als könne man sie doch in Ordnung bringen:

Die Katze wäscht das Kätzchen.
Der Regen wäscht den Wind.
Der Fahrer wäscht den Omnibus.
Die Mutter wäscht das Kind.

Wer aber die Welt in Ordnung bringe, der ist der FAZ ein „Geschichtenzerstörer“. Gute (also „Imperialismus-kompatible“) Geschichten schreibt demnach, wer dem Publikum erklärt, daß die Welt nicht gebessert werden kann. Überhaupt: Diese anmaßlichen Dichter, diese „Auskenner“, mit ihrer „großen Welterfahrung“, die immer ordnen wollen (wo es einigen in dieser Unordnung doch recht behaglich zumute ist) und die ihre höchst zweifelhaften Wahrheiten in die Welt hinausschreien. Wer kann schon wissen, wer wen wäscht.

Die FAZ lobt den Künstler, weil er am Ende die Welt wieder einreiße, das ist zumindest ihre Lesart.

Sieh da, sieh da,
So passt es ja.
So passt es fein.
So muß es sein.
Nun kann die Seife
Zur Mutter greifen
Und dem Kind mit dem Ohr
Den Schwamm abseifen.

Da geht der Hacks doch einmal zu loben: Er hätte ein „schönes … Gedicht“ hergestellt. Diese dünnen zwei Worte sind wirklich die einzig haltbaren an Weidermanns „Rezension“.

Der Dichter macht, wie in seinen Kinderwerken oft, Kunstunterricht. „Der Regen wäscht den Wind“, so lautet des Dichters schöne Umschreibung für Gewitter. Und wo jedermann staunt, wie raffiniert er den Kindern Poesie als Wert und Wahrheit ans Herz legt, wie er ihnen die Kunst als etwas Wahrhaftiges und Reales anträgt, fragt der Kunstsachverstand der FAZ, wer den Wind denn verdreckt hätte. Das sei doch albern. Der FAZ ist die Lektion zu hoch, dort ist Poesie unbekannt. Soll mal so ein Auskenner kommen und behaupten, es gäbe die!

Die Frage ist nicht: „Wer hat den guten Wind verdreckt“. Das haben die Schlote der FAZ-Abonnenten besorgt. Die Frage ist: Wo bleibt der Regen, der diese kunstresistenten Schreiberlinge wegspült; diese Flaggschiffe unserer „Leistungsgesellschaft“, die so erheblich beitragen zur Luftverschmutzung.

Dieser Kommentar bezieht sich auf:
Volker Weidermann „Wer hat den guten Wind verdreckt?“
2.10.2010, FAZ
faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/rezensionen/kinderbuch/ein-kindergedicht-von-peter-hacks-wer-hat-den-guten-wind-verdreckt-11043530.html