Medien.

Medien“ heißt wirklich nichts anderes als „Mittel“. … Das Mittel sündigt nicht. Es tut seine Arbeit als Lehrmittel, Genußmittel, Brechmittel, je nach der Absicht des Besitzers.  (W13/437)

Hacks kennzeichnete das Auffinden des Faust II-Manuskripts im Goethe-Nachlaß und das In-die-Schublade-zurückstecken desselben als Skandal, der von der Philologie bisher übergangen worden sei. Ein ähnlicher Skandal ist die Energie, mit der heutige Medien den Dichter Hacks in die Ecke stellen, indem sie ihn als irrelevant ausstellen, von seiner Kunst ablenken und ausschließlich über sonstiges reden. Sie haben einen bemerkenswerten Arbeitsstil ausgeprägt: Man verbreitet eine – wissentlich unhaltbare – Meinung A, aber man sorgt, daß gleichzeitig auch das Gegenteil von A anklingt, um so die provozierte Reaktion des Gegners möglichst zu unterbinden. (Beispiel: Er wäre „indiskutabel“, aber natürlich schon irgendwie ein großer Dichter, so der mdr. Oder: Die FAZ erweckt den Eindruck, der Dichter sei ein Antisemit gewesen. In einem gut versteckten Satz kassiert sie ihren Anwurf sogleich.) Im folgenden einige Anmerkungen zu diesen journalistischen Kostbarkeiten.

Wir begegnen Frank Schirrmacher (Schirrmacher als Gratulant), Martin Mosebach (Mosebachs Sonnenfinsternis), Alexander Cammann (Algenplage im Zierfischteich des Königs) und anderen. Schauen Sie sich also ein wenig um, denn deren Lachnummern dürfen ausschließlich hier, im digitalen Nirwana, kommentiert werden.

Noch über die Kindergedichte lassen die Medien nichts Nutzbringendes zu. Man könnte glauben, die Autoren verstünden den Dichter falsch. Betrachtet man die Gesamtheit der Hacks-Rezensionen, wird aber ein Konzept erkennbar. Man lobt den Dichter, nachdem man dessen Meinung auf den Kopf gestellt hat. Volker Weidermann besorgt diese Leistung sogar für das Gedicht „Die Katze wäscht den Omnibus“: Ratio ist ihm „ein großer Quatsch“ und nur das Chaos findet er „schön verrückt“ (Die Katze wäscht den Omnibus und die FAZ seift ein). Eleonore Büning versucht sich am weltbesten Kinderbuch „Das musikalische Nashorn“; die Fabel sei naiv, jedenfalls die, die sie eigens hineinarbeitet und also anbietet (FAZ: Das unmusikalische Nashorn). Die Medien verstehen das „Herausarbeiten“ der Fabel auf ihre Weise, das wird an „Der Bär auf dem Försterball“ überdeutlich. Die Leser bekommen stattdessen andere Vorschläge angeboten. („Der Bär auf dem Försterball“ wird 50!)