Lesung.

Kunst, das war für Peter Hacks: geschickte Arbeit, nicht beliebige. Er verkörpert damit den Gegenpol zu den Regelzerschmeißern wie Novalis oder Beuys, die bekanntlich meinten: jeder Mensch sei ein Künstler, sei einzig und bringe Einzigartiges hervor, das dann Kunst heißen solle.
Hacks bestritt, daß Einzigartigkeit (Andersartigkeit, anders als vollkommen) in der Kunst die Kategorie sein könne und meinte, daß sich die Kreatur den Titel Mensch erst erringen muß, ganz so, wie der Künstler die Vollkommenheit.
Mit dieser Haltung wurde Hacks (1928-2003) das, was Lessing in seinen Tagen war: der höchste Kunstrichter seiner Zeit.

Peter Grandt liest kurze Auszüge aus des Dichters hochvergnüglichen und lehrreichen theoretischen Aufsätzen zur Kunstästhetik und setzt die vollkommenen, praktischen Beispiele des Dichters zur Illustration dagegen. Und er staunt immer aufs neue, wie plötzlich selbst Hausmeister, Kellnerinnen und Köche nach wenigen Zeilen Hacks ihre Beschäftigungen einstellen und mit offenem Munde nur noch der Kunst lauschen.

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Sängerwettstreit
Von den Theaterleitungen hören wir, es gäbe heute keinen Bedarf für Klassik. Wenn Klassik das Zeitlose ist, dann ist diese Feststellung nicht völlig logisch und wahrscheinlich wenig sturmsicher. Bisher kneifen Theater-Intendanten und verschließen sich der edlen Idee eines „Sängerwettstreits“. Medien zeigen sich kein bißchen ausgewogen und haben kein Interesse, die Theatermacher zu einem Leistungsvergleich einzuladen und anzuspornen.
Mein Angebot:
Die Intendanz eines Theaters tritt mit all den Schönheiten des eigenen Spielplans gegen den Dichter Hacks an. Das Publikum darf durch Beifallsbekundung entscheiden, ob Vorzüglichkeit oder Ausgewogenheit den Sieg davonträgt.
Das Angebot steht.

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